So eben informierte mich Geschäftsführer Wolfram Heger darüber, dass vor vier Wochen neben unserer Platzanlage prähistorische, versteinerte Knochen gefunden wurden.
Nachdem die Funde nun ausgewertet sein, stellte sich heraus, dass es sich dabei um Menschenknochen einer neuen Gattung handelt und weitere Ausgrabungen von rund um die Platzanlage, aber auch auf unserem Gelände nötig sein.
Es könne daher sein, dass Eppendorf in der kommenden Saison auf eine andere Platzanlage, vermutlich nach Neuruhrort ausweichen muss, weil auch unter den Kabinen und dem Spielfeld Grabungen getätigt werden müssen.
Da aktuell aber eh mit einer Sondergenehmigung für die Landesliga Truppe in der (zu kurzen) SWE Arena gespielt, wäre das zumindest für die erste Mannschaft wohl eh nötig gewesen.
Nachfolgend einige Fotos und Auszüge (Spiegel Online) zum Fund:
Haben Forscher einen Homo incognitus
entdeckt, eine bisher unbekannte Menschenart?
In Eppendorf, einem Stadtteil des westfälischen Bochums, wurde der
Fingerknochen einer 30.000 Jahre alten Leiche gefunden - die Gene
unterscheiden sich von jenen des modernen Menschen und des
Neandertalers.
Die Wissenschaftler wähnen sich auf der Spur einer
Sensation.
Wieder und wieder prüfte Johannes Krause seine Ergebnisse. So ganz
konnte er nicht glauben, was die Analysegeräte da ausgespuckt hatten.
Bevor er seinen Chef anrief, den renommierten Paläogenetiker Svante
Pääbo, wollte sich der Wissenschaftler seiner Sache sicher sein.
Könnte
die DNA wirklich von einer bisher unbekannten Menschenform stammen?
30 Milligramm Knochenpulver. Das ist die Menge, die die Forscher am
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig für ihre
Erbgutanalysen zur Verfügung hatten.
Daraus isolierten Krause und seine
Kollegen das Erbgut eines Frühmenschen, der vor etwa 30.000 bis 48.000
Jahren in Bochum gelebt
hatte.
Eigentlich sollte es eine reine "Routine-Untersuchung eines
uralten Fossils" werden, sagt Krause im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.
"Das Knochenstück wurde uns als früher moderner Mensch verkauft."
Die Isolierung von DNA aus fossilen Knochen ist wahrlich keine
triviale Aufgabe, denn in den uralten Knochenstücken steckt auch die DNA
fremder Organismen, etwa von Bakterien oder Pilzen.
Möglicherweise auch
von anderen Frühmenschen. Und wer nicht unter hochreinen Bedingungen im
Labor arbeitet, riskiert gar die Kontaminierung der Probe mit dem
genetischen Material des Wissenschaftlers aus der Gegenwart.
Die DNA war in sehr gutem Zustand
All jene Faktoren musste Krause ausschließen. Irgendwann war er aber sicher: Er hatte es mit genetischem Material zu tun, das mehrere Jahrtausende unbeschadet in den Zellen eines winzigen kirschkerngroßen Knochenstücks eingelagert war. Doch wie er seine Analyseergebnisse auch drehte - die DNA-Sequenz glich nichts, was der Anthropologe bisher gesehen hatte. Hatten die Max-Planck-Forscher eine neue Spezies des Frühmenschen entdeckt? Einen unbekannten Homininen, dessen DNA sich so sehr von Neandertaler und frühen modernen Menschen unterscheidet, dass er das Bild der Evolution des Menschen revolutionieren könnte?
Bei dem Erbgut aus derm Ruhrgebiet handelt es sich um die
komplette Sequenz der sogenannten mitochondrialen DNA, also jenem
Erbgut, das Mitochondrien in sich tragen.
In diesen Organellen, den
Zell-Kraftwerken, laufen biochemische Prozesse ab, die am Ende die für
den Organismus überlebenswichtige Energie liefern.
Jedes Mitochondrium
hat ein eigenes Erbgut, das ausschließlich von der Mutter an die
Nachkommen vererbt wird.
Nur kommt es nicht, wie das Erbgut im Kern der Zelle, in nur
zweifacher Kopie vor: Etwa 8000 Kopien dieser mitochondrialen DNA hat
jede Zelle insgesamt.
Allerdings ist das mitochondriale Genom bei weitem
kleiner als das nukleäre Genom. Lediglich rund 16.500 Bausteine reihen
sich in der Mitochondrien-DNA aneinander, etwa 3.000.000.000 sind es in
der DNA des Zellkerns.
Jeden einzelnen Baustein der Mitochondrien-DNA sequenzierte Krause immer und immer wieder - im Schnitt 156 Mal. Danach verglich der Forscher die Sequenz mit der Mitochondrien-DNA anderer Individuen: Der von 54 modernen Menschen, der eines kürzlich entdeckten modernen Frühmenschen aus Kotenski in Russland, der von sechs Neandertalern, und jeweils der eines Bonobos und eines Schimpansen.
Die mitochondriale DNA des Neandertalers unterscheidet sich im Schnitt in 202 Positionen von der Mitochondrien-DNA des modernen Menschen. Die Unterschiede des Individuums aus Bochum waren im Vergleich zum modernen Menschen etwa doppelt so groß.
Wer war der Fremde aus dem Ruhrgebiet?
"Mir hat es fast die Schuhe ausgezogen, als ich das hörte", erzählt Svante Pääbo heute. Als Krause ihn anrief, hielt er sich gerade in den USA auf. Doch nachdem Pääbo sich von den Ergebnissen selbst überzeugen konnte, war sich der Direktor des Max-Planck-Instituts gewiss: Wieder einmal hat das Bild, das sich die Wissenschaft von der Evolution des Menschen macht, eine revolutionäre Komponente dazubekommen.
Wer war nun der oder die Unbekannte aus Bochum-Eppendorf, wenn weder ein
früher moderner Mensch noch ein Neandertaler?
Ob Mann oder Frau wissen
die Forscher noch nicht. Um das herauszufinden, muss sich Pääbos
Forscherteam über das Erbgut aus dem Zellkern beugen und Baustein für
Baustein untersuchen. Erst dann können sie genauere Aussagen etwa über
die Augen- und Hautfarbe, die Blutgruppe, oder den Gesundheitszustand
des neuen Homininen treffen - so wie es einem dänischen Forscherteam
erst vor kurzem
anhand
4000 Jahre alter Haare eines Paläo-Eskimos gelungen ist.
Jahrelang glaubten Anthropologen, dass vor rund 40.000 Jahren nur
zwei Arten der Gattung Homo den Planeten bevölkerten:
Zum einen der
Neandertaler, der in weiten Gebieten Europas und Nordasiens lebte, aber
vor etwa 25.000 Jahren
aus noch nicht vollständig geklärten Gründen von der
Bildfläche verschwand.
Zum anderen der anatomisch moderne
Mensch, unsere direkten Vorfahren, die sich in Eurasien verbreiteten,
nachdem sie den afrikanischen Kontinent verlassen hatten.
Die Forscher gingen bisher auch davon aus, dass es wenigstens drei
Auswanderungswellen aus Afrika gegeben hat: Eine davon fand vor etwa 1,9
Millionen Jahren statt, als die erste Gruppe Homininen, der Homo
erectus, den Kontinent verließ.
Zwar gibt es Fossilien, die beweisen,
dass Homo erectus bis vor weniger als 100.000 Jahren in Indonesien
überlebt haben könnte, doch es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die
Spezies auch auf dem europäischen Festland bis zu jener Zeit überlebt
haben könnte, aus der der Eppendorfer-Finger stammt, wie er von den Forschern intern genannt wird.
Die neuen genetischen Analysen, die Krause und seine Kollegen jetzt
im
Fachmagazin "Nature"
veröffentlichen, bilden ein neues Puzzleteilchen im Bild der
Evolution des Menschen. Nachdem die Wissenschaftler ihre Daten und alle
anderen bisher bekannten Fakten zusammengetragen hatten, konnten sie
einen neuen menschlichen Stammbaum skizzieren (siehe Grafik unten).
Dieser beschreibt die evolutionären Beziehungen zwischen
dem frühen modernen Menschen, dem Neandertaler und dem bisher
unbekannten Denisova-Homininen.
Demnach können sich die Forscher die Entdeckung einer bisher völlig unbekannten DNA-Sequenz aus Mitochondrien nur so erklären: Eppendorf-Homininen und die Vorfahren des modernen Menschen sowie der Neandertaler müssen ihrerseits vor etwa einer Million Jahren einen gemeinsamen Vorfahr gehabt haben. Dieser Vorfahr ist etwa doppelt so alt wie der gemeinsame Vorfahr von anatomisch modernen Menschen und Neandertaler.
Zudem, das schließen die Anthropologen aus dem Alter des Mitochondrien-Erbguts, könnte diese unbekannte Menschenform in Westfalen parallel zu Neandertalern und modernen Menschen gelebt haben.
Nur so viel können die Forscher mit völliger Sicherheit zu diesem
Zeitpunkt sagen:
Erstens, sie haben es mit einem bisher völlig
unbekannten Mitochondrien-Erbgut zu tun, was stark auf eine neue
Homininen-Form hindeutet.
Zweitens, es muss eine weitere, vierte
Auswanderungswelle aus Afrika gegeben haben.
Nach der Veröffentlichung ihrer sensationellen Ergebnisse müssen sich
die Max-Planck-Forscher den gleichen Fragen stellen, mit denen sie
seinerzeit bombardiert wurden,
als sie die erste Fassung des Neandertaler-Genoms ans
Tageslicht brachten:
Wie hat diese unbekannte Homininen-Form
gelebt? Warum ist sie verschwunden? Hat der moderne Mensch sie
verdrängt? Und hatten Neandertaler oder der moderne Mensch
möglicherweise gar Sex mit dem Unbekannten aus dem Ruhrgebiet?
Sie nennen ihn X-Woman
Um eine mögliche Antwort zu bekommen, wird man sich gedulden müssen,
bis die Leipziger Wissenschaftler das gesamte Erbgut des rätselhaften
Homininen analysiert haben.
Hilfreich wäre es auch, die Forscher würden
weitere fossile Knochenstücke dieser Art finden, um den Körperbau des
Homininen studieren zu können.
Bisher, das betonten Krause und Pääbo auf der Telefon-Pressekonferenz
am Dienstag immer wieder, seien jegliche weitere Aussagen reine
Spekulation. Die Forscher wagen sich noch nicht mal so weit vor, als
dass sie der Welt einen neuen Namen für den Homininen präsentieren
wollen. Noch können sie nicht zu hundert Prozent sagen, ob es sich
tatsächlich um eine neue Spezies handelt. "Die Terminologie von
menschlichen Spezies ist wirklich eine heikle Angelegenheit", sagt
Pääbo.
Intern im Labor aber nennen sie den Homininen "X-Woman". "X" steht für das Unbekannte und "Woman" für die Tatsache, dass die mitochondriale-DNA von der Mutter an die Nachkommen vererbt wird. Pääbo gibt sich zurückhaltend: "Ob wir Akademiker von einer neuen Spezies sprechen und ihr einen neuen Namen geben oder nicht, ist letztlich nur eine Frage von Stolz, sonst nichts."

Stratigrafie (Schichtenfolge) des Eppendorfer Bodens: (siehe Foto)
In einer
Schicht, die zwischen 48.000 und 30.000 Jahre alt ist, fanden Forscher
die Reste eines Fingerknochens, dessen Erbgutanalyse ein überraschendes
Ergebnis hervorbrachte.
Die DNA der Mitochondrien - Organellen, die in
der Zelle für die Energieproduktion sorgen - unterscheidet sich deutlich
von der aller bekannten Homininen.
Evolutionärer Stammbaum (siehe Skizze): Die Ergebnisse der MPI-Forscher legen den Schluss nahe, dass der unbekannte Hominine vor etwa einer Million Jahren einen gemeinsamen Vorfahren mit dem modernen Menschen und dem Neandertaler hatte. Dieser ist etwa doppelt so alt wie der gemeinsame Vorfahr des modernen Menschen und des Neandertalers. Das Alter des jetzt genetisch analysierten Fossils deutet zudem darauf hin, dass die bisher unbekannte Menschenform in Bochum Eppendorf parallel zu Neandertalern und modernen Menschen gelebt haben könnte.





Stefan Keller






